Geist und Lernen
Lebenslanges Lernen ist seit Jahren ein Schlagwort, das durch die Führungskräfteetagen geistert und das sich zunächst auf die berufliche Situation bezieht. Jedem leuchtet es sofort ein, dass die technischen, organisatorischen, markttechnischen Veränderungen alle möglichen Arten von Anpassungsprozessen beim Einzelnen bedingen. Dass aber diese Erkenntnis auch auf alle anderen Lebensrollen zu übertragen ist, ja sogar auf die Vitalbereiche selbst anzuwenden ist, fällt nicht sofort ins Auge.
Wann haben Sie das letzte Mal etwas für Ihre Partnerschaft, für Ihre Kinder oder für Ihren Charakter gelernt? Wann haben Sie sich mit Ihrem Körper, Ihrer Gesundheit, Ihrem Rücken auseinandergesetzt? Haben Sie sich schon einmal um Ihr „Seelenheil“ gekümmert? Oder überhaupt um das Thema Lernen? Dieser Vitalbereich durchdringt das ganze Leben, und Sie tun gut daran, wenn Sie dem Lernen große Aufmerksamkeit schenken.
Im Beruf befindet sich das Hauptfeld des Lernens. Viele Personalabteilungen bieten den Mitarbeitern eine systematische Weiterentwicklung. Da könnte der Eindruck entstehen, dass Weiterbildung eine Aufgabe des Unternehmens ist. Das ist sicher auch richtig, aber es ist und bleibt zunächst eine Aufgabe und Herausforderung jedes Einzelnen. Prüfen Sie daher Ihre persönliche Situation hinsichtlich der heutigen und zukünftigen Herausforderungen in fachlicher, persönlicher und sozialer Sicht. Entwickeln Sie Ihr eigenes Personalentwicklungskonzept. Scheuen Sie sich auch nicht, eigenes Geld und Freizeit für Ihre Weiterbildung auszugeben. Beginnen Sie vielleicht einfach mit einem Sprach- oder Internetkurs an der Volkshochschule.
Auch die Ehe ist eine ständige Herausforderung an unsere Lern- und Anpassungsfähigkeit. Günter F. Gross nennt in seinem Bestseller "Beruflich Profi, privat Amateur?" die Ehe nicht eine Institution, sondern ein Projekt. Der Ehepartner ist der einzige Partner, mit dem Sie einen lebenslangen Vertrag haben, und er ist zugleich Ihr wichtigster "Kunde". Das erfordert, Kreativität zu entwickeln, ständig die Bedürfnisse des anderen zu erforschen und zu berücksichtigen. Besuchen Sie beispielsweise mit Ihrem Partner ein Eheseminar. Es wird Ihre Beziehung durch neue Einsichten vertiefen.
Wer Kinder hat, weiß, dass man ständig herausgefordert ist, Neues zu lernen. Spätestens wenn die Kleinen zwölf Jahre alt sind, akzeptieren sie immer weniger "alte Gewohnheiten" und zeigen einem jeden Widerspruch im eigenen Handeln oder Ermahnen auf. Wer selbst raucht, wird seiner dreizehnjährige Tochter kaum davon überzeugen können, dass Rauchen ungesund ist. Neue Musik- und Moderichtungen, neue Denkweisen werden den Eltern radikal aufgezwungen. Das kostet viel Energie – zwingt einen aber auch, fit für Neues und bereit für Veränderungen jeder Art zu bleiben.
In der Verhaltensforschung wird Intelligenz als Lernen aus Fehlern definiert. Lernen Sie aus Ihren Fehlern. Waren Sie zu vertrauensselig und haben negative Erfahrungen machen müssen? Dann binden Sie künftig eine Person Ihres Vertrauens in wichtige Entscheidungen ein. Oder haben Sie zu große, vielleicht unausgesprochene Erwartungen an Ihre Kinder gestellt und sind diese mit den Erwartungen nicht fertig geworden? Dann ermutigen Sie Ihre Kinder mit einem Hinweis auf Ihre eigenen Schwächen und Schwierigkeiten. Gestehen Sie Fehler ein und entschuldigen Sie sich - auch bei Kollegen und Mitarbeitern.
Übrigens: Die Steigerung der Intelligenz ist das Lernen aus den Erfahrungen anderer! Suchen Sie sich einen Mentor oder Coach. Lesen Sie spannende Wirtschaftbiographien oder Memoiren bekannter Persönlichkeiten. Vielleicht lernen Sie aus deren Erfahrungen.
Investieren Sie in Ihre Lernfähigkeit. Besuchen Sie ein Seminar zum Thema Lernen oder lesen Sie den Bestseller von Vera F. Birkenbihl: „Stroh im Kopf?“
Durch Weiterbildung investieren Sie in Ihre eigene Zukunft!
